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Verschwendung vermeiden bei digitaler Transformation 2/2

 

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Validiertes Lernen statt falscher Metriken

Eine große Stärke des Lean Startup Ansatzes ist es, Innovation mess- und damit steuerbar zu machen. Einer der wichtigsten Punkte ist dabei, die richtigen Metriken zu finden. Immer wieder werden Messgrößen verwendet, die leicht zugänglich und sicher auch aufschlussreich für einen bestimmten Prozess sind, aber nichts darüber aussagen, ob die digitale Lösung am Markt erfolgreich sein wird: Die Zahl der Posts der eigenen Marketingabteilung in sozialen Medien statt Kundenreaktionen, Klicks, Likes und Retweets statt die Zahl potenzieller Kunden, Newsletter-Empfänger statt Käufer und - am allerwichtigsten - Kundenmeinungen statt beobachtetes Kundenverhalten. Unangemessene Metriken führen aber leicht zu Selbstbetrug und verhindern, dass Chancen genutzt werden, Digitalisierung schnell umzusetzen und sicher zu steuern.

Andere "falsche" Metriken sind bereits im Abschnitt "Agile Entwicklung statt Wasserfall-Projekte" beschrieben, nämlich das Steuern aufgrund von Projektrahmendaten statt nach Wertschöpfung für Kunden.

Es ist nicht leicht, die richtigen Metriken zu finden. Sie müssen zum Geschäftsmodell, zu den Kunden und der Art passen, wie Kunden entwickelt werden. So kann es durchaus sinnvoll sein, in einem sozialen Netzwerk Follower zu gewinnen, wenn es auch gelingt, weitere Schritte zu gehen, z.B. in direkte Kommunikation mit dem Unternehmen einzutreten, einen Test-Account zu aktivieren und später einen regulären Account zu nutzen. Diese Übergänge sind Prüfsteine, deren Auswirkung mit geeigneten Metriken gemessen werden sollte. Die Ergebnisse stellen dann wieder eine Quelle für Optimierungen dar.

Die richtigen Messgrößen verwenden, experimentieren und dadurch einen Prozess des validierten Lernens etablieren, kann Verschwendung durch in die falsche Richtung führende Entwicklung reduzieren und Innovation effektiv vorantreiben.

 

RichtungswechselRichtungswechsel statt engen Projekt-Scopes

Es ist nicht schön, aber es passiert: Die ursprüngliche Idee stellt sich als nicht durchführbar heraus, Kunden reagieren ablehnend oder ein Wettbewerber veröffentlicht eine Lösung, die den Markt so sehr verändert, dass die Prämissen des eigenen Projektes über den Haufen geworfen werden. In solchen Situationen gibt es zwei verführerische Chancen, Verschwendung in großem Maße zu produzieren: Starres Festhalten an den ursprünglichen Planungen (das gelingt am leichtesten mit der Wasserfall-Logik) oder kompletter Abbruch des Projektes. Natürlich kann Letzteres wirklich eine sinnvolle Lösung sein. Sie sollte aber erst nach gründlicher Abwägung und nach Experimentieren mit Alternativen erwogen werden. Immerhin sind wahrscheinlich im Verlauf des bisherigen Entwicklungsprozesses wertvolle Erfahrungen gesammelt worden, deren Verlust schade wäre.

Im Sinne des Lean Startup Ansatzes von Eric Ries ist eine solche Situation eher regelhaft als die Ausnahme. Fast alle Startups – und natürlich auch Innovationsprojekte in etablierten Unternehmen – kommen irgendwann an den Punkt, an dem das Geschäftsmodell grundsätzlich überprüft werden muss. Ein Richtungswechsel (im englischen Sprachgebrauch Pivot) ist oftmals nicht nur unvermeidlich, sondern eröffnet neue Perspektiven. So ist es z.B. einem Unternehmen gelungen, das kurz davor war, mit Überwachungssystemen für Windparks zu scheitern, durch einen klugen Richtungswechsel das Wissen, das im Unternehmen vorhanden ist, neu zu verwerten und zu einem der weltweit führenden Unternehmen in der Bewertung und Planung von Windkraftprojekten zu werden. Die Entwicklung und Produktion der Überwachungstechnologie wurde dabei komplett aufgegeben.

Minimal verkaufbare Produkte"Minimal verkaufbare Produkte (MVP)" statt großer Lösungen

Gerade in Deutschland wird Digitalisierung fast ausschließlich im Zusammenhang mit großen IT-Projekten diskutiert: Industrie-4.0-Plattformen, Manufactoring Execution Systeme (MES), menschenleere Fabriken etc. Es mag sein, dass das für einige Unternehmen der richtige Weg ist. Dennoch ist es kein schlanker Weg zur Digitalisierung, sondern ein großer, schwer kontrollierbarer ballistischer Wurf, bei dem erst am Ende klar wird, ob die Entscheidung richtig war. Wenn nicht, wurde eine Menge Geld und Zeit verschwendet. Ein schlanker Weg besteht hingegen darin, Digitalisierung iterativ aus kleinen, steuerbaren Projekten und mit Hilfe einer Vielzahl von Experimenten und Optimierungen zu entwickeln.

Das Testen findet in der Regel erstmal unternehmensintern statt. Das sollte aber ein kurzes Zwischenstadium bleiben. Möglichst schnell sollten Lösungen oder Produkte in minimaler gangbarer Ausstattung als sogenannte „minimal viable Products“ (MVP) mit echten Kunden getestet werden. Der Erkenntnisgewinn ist gleich um ein Vielfaches größer.

Um einerseits Verschwendung zu vermeiden und andererseits maximale Geschwindigkeit zu halten, ist es wichtig, den Aspekt des Minimalen stark zu betonen. Ein Bonmot der Lean-Startup-Szene besagt: „Wenn du ein Produkt zum ersten Mal auf den Markt bringst und dich nicht dafür schämst, hast du es zu spät auf den Markt gebracht“. An diesem Punkt reagieren Markenmanager und Vorstände etablierter Unternehmen aus gutem Grund mit dem Reflex, Einhalt zu gebieten. Marke und Ansehen des Unternehmens können Schaden nehmen.

Dieser Gedanke ist nicht von der Hand zu weisen, so dass gerade bei etablierten Unternehmen folgende Fragen bei der Entwicklung minimal verkaufbarer Produkte mit berücksichtigt werden müssen:

 

BudgetDas richtige Budget

In mehreren Studien und durch zahlreiche Erfahrungsberichte ist mittlerweile belegt, dass Innovationsprojekte nicht unbedingt von mehr Geld profitieren. Weder die Geschwindigkeit noch die Qualität der Lösung hängen vom Budget ab. Im Gegenteil. Es scheint so, als wenn häufig gerade knappe Budget kreative Lösungen fördern.

Es bleibt eine schwierige Aufgabe, die Budgethöhe genau festzulegen. Sie hängt von Größe und Typ des Unternehmens und der gestellten Aufgabe ab. Einige Firmen sind dazu übergegangen Faustregeln aufzustellen, mit denen gute Erfahrungen gemacht wurden. So gab es bei Google die 20% Regel, nach der jeder 20% seiner Zeit für eigene Projekte verwenden konnte. HP hatte bereits vor Jahren eine 3x3 Regel eingeführt, die besagt, dass jedes Innovationsprojekt mit 3 Leuten besetzt wird, 300.000 Euro bereitgestellt bekommt und 3 Monate Zeit hat, ein Ergebnis zu liefern. Obwohl beide Programme beendet bzw. deutlich modifiziert wurden, zeigen Sie, wie es gelingen kann, die richtige Budgethöhe zu finden: durch Experimente.

Das, was HP und Google gemacht haben, kann auch für andere Unternehmen ein Weg sein, um einen Weg zu finden, der die Festlegung von Budgets erleichtert. Durch Experimentieren. Ja, Lean Digitization Methoden können auch auf sich selbst angewendet werden und so Verschwendung iterativ immer weiter reduzieren.

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veröffentlicht: 20.01.2016, © Uwe Weinreich

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